kk ic7300Vielleicht war es Zufall, in den letzten Wochen hatte ich gleich mehrere Diskussionen zu KW an Bord und den aktuellen Kosten einer entsprechenden Anlage. Ein interessantes Thema und Anlass für mich die Essenz daraus mal zusammenzufassen.

Vielleicht war es Zufall, in den letzten Wochen hatte ich gleich mehrere Diskussionen zu KW an Bord und den aktuellen Kosten einer entsprechenden Anlage. Ein interessantes Thema und Anlass für mich die Essenz daraus mal zusammenzufassen.

Vorweg
Meine alten Thesen

  • Wer keine Ahnung hat, und auch nicht bereit ist sich mit dem Thema zu beschäftigen, muss zahlen. Händler riechen das!
  • Mangelnde Kenntnisse lassen sich auch mit viel Geld nicht vollständig kompensieren. Auf See ist man allein. Wer da nicht in der Lage ist sachgerecht mit den Geräten umzugehen und wenigstens leichte Defekte zu erkennen und zu beseitigen, hat früher oder später ein Problem.
  • Ich empfehle nach wie vor eine Amateurfunklizenz zu erwerben und später auch zu nutzen. Die angebliche „Schwere“, von der an Stammtischen gern erzählt wird, gehört in den Bereich Seemannsgarn. Der Aufwand entspricht etwa dem theoretischen Teil eines SKS und ist von jedem(!) zu schaffen. Als Hauptvorteil gegenüber dem LRC bekommt man dabei wenigstens ein paar elektrotechnische Grundkenntnisse vermittelt. Die kann man auf einem Boot immer brauchen, nicht nur beim Funken.

halte ich nach wie vor für richtig.

Die Frage „Was will ich mit KW an Bord machen?“ muss geklärt werden, bevor man sich eine Anlage zusammenstellt. Dazu sollte man seine persönlichen Bedürfnisse kennen. Bei den vielen Kontakten, die ich in den vergangenen 15 Jahren zu diesem Thema hatte, kann ich mich an niemand erinnern, der KW für mehr als Wetterberichte, Mails und Gespräche mit anderen Seglern nutzte. Sicherheitsaufgaben werden durchweg von anderen Systemen wie EPIRB übernommen. Wenn man über Mails mit den Lieben daheim hinaus noch etwas zum Telefonieren braucht, hat man dafür ein Satellitenhandy. Von daher kann man sich durchaus fragen, ob man im Zeitalter von immer seltener werdenden Seefunkstellen an Land und nicht ständig eingeschalteten Geräten an Bord, DSC auf KW wirklich braucht. Ich meine nein.

Eine KW-Funkstation an Bord besteht immer aus 3 Komponenten

  • dem eigentlichen Funkgerät (and. Bez.: Transceiver, TRX),
  • einem speziellen Modem für die Datenübertragung,
  • und der Antennenanlage.

Wegen weitgehend standardisierter Schnittstellen, kann man diese Teile getrennt voneinander betrachten. Darüber hinaus benötigt man natürlich noch einen Laptop. Ich gehe davon aus, dass der aus anderen Gründen sowieso schon vorhanden ist.

Als Segler mit einer AFU-Lizenz sehe ich das Thema natürlich in erster Linie aus dieser Perspektive. Das hat Vorteile. Nicht nur die Geräte sind deutlich billiger als im Seefunkbedarf, es gibt auch keine laufenden Kosten wie z.B. für einen Sailmailaccount.

Konkret möchte ich zwei Konfigurationen auf Basis von Neugeräten vorschlagen, die sich nur durch die Antenne unterscheiden. Die Grundkonfiguration für etwa 1200 € lässt sich dadurch später bei eventuell steigenden Bedürfnissen problemlos erweitern. Auch dann sollten die Kosten, etwas Eigeninitiative vorausgesetzt, 2000 € nicht wesentlich übersteigen.

Transceiver
Im Grunde ist jeder SSB-Transceiver geeignet. Bei einem Neukauf würde ich nur noch einen nehmen, der sich durch einen PC fernsteuern lässt und ein eingebautes Modem (Soundcardinterface) für digitale Betriebsarten hat. Solche Geräte erkennt man an einem USB Anschluss. Aus eigener Erfahrung kann ich den ICOM IC 7300 uneingeschränkt empfehlen. Wer außer am Amateurfunk damit auch am KW-Seefunk teilnehmen möchte, kann ihn leicht dafür freischalten oder dies sinnvollerweise gleich beim Kauf gratis oder für kleines Geld vom Händler machen lassen. Der Straßenpreis liegt etwa bei 1100 €, aktuell (Juni 2021) kenne ich ein Angebot für 999 €.

Modem
Emails über KW hieß bisher meistens PACTOR und damit ein weit über 1000 € teures spezielles Modem. Seit einiger Zeit gibt es in Form von VARA eine preiswerte SW-Alternative, die von der Leistungsfähigkeit in der Praxis PACTOR durchaus ebenbürtig ist. Die Kosten für das Programm betragen einmalig 69 $, Testen mit vermindertem Datendurchsatz ist gratis. Wer meinem Vorschlag mit dem IC 7300 oben gefolgt ist, braucht als HW nur ein USB-Kabel. Wie man das Ganze einrichtet, habe ich ausführlich beschrieben (Tschüss PACTOR – Email über KW mit VARA).

Antenne
Da ich immer wieder nach einer einfachen Lösung gefragt wurde, habe ich vor kurzem die Bauanleitung für eine an Bord sehr brauchbare Antenne veröffentlicht. Sie arbeitet ausschließlich im 20m-Band und zeichnet sich dadurch aus, dass sie als Halbwellendipol keinerlei HF-Erde braucht. Kosten etwa 25 € für den Einspeiseübertrager, ca. 10m Draht für die eigentliche Antenne und ein paar Meter Koaxkabel mit Stecker für die Verbindung zum TRX. Alles in allem max. 50 € für die komplette Antenne. (KW-Antenne ohne Erde und Tuner)

Mit dieser Konfiguration lässt sich immer ein WINLINK-Knoten für Mails erreichen und an der zweimal täglichen Runde von Intermar auf 14,313 MHz kann man damit auch teilnehmen. Meine persönlichen Bedürfnisse wären damit schon vollauf befriedigt.

Wer damit auf Dauer nicht zufrieden ist, oder auch auf anderen Frequenzen im Amateur- oder Seefunkbereich funken möchte, sollte dann doch in eine konventionelle Antennenanlage bestehend aus Anpassgerät (Tuner), HF-Erde und einer Peitsche (Whip) am Heck oder dem isolierten Achterstag investieren.  So etwas habe ich bereits früher eingehend beschrieben und auch in Seminaren wiederholt vorgestellt (KW-Antennen). Deshalb nur ein paar aktuelle Vorschläge zur konkreten Umsetzung.

Wenn man schon ein ICOM-Funkgerät hat, bietet sich auch ein Tuner des gleichen Herstellers an. Der AH4 (Straßenpreis ca. 380€) ist dafür optimal geeignet.

Als HF-Erde muss es nicht die teure SSB-Ground-Paint mit ihren geheimnisvollen Ingredienzien sein, obwohl die natürlich auch geht. Eine auf den Boden geklebte Folie aus Kupfer oder Aluminium sieht vielleicht nicht so toll aus, hat aber mindestens genauso gute elektrische Werte. Wenn man ein Boot mit Metallrumpf hat, braucht man nicht einmal die. Dann reicht ein DC-Blocker, den man für ganz kleines Geld leicht selbst bauen kann. (Selbstbau eines DC-Bockers)

Bleibt noch die Antenne selbst. Mit geringstem finanziellen Aufwand ist sicher eine Peitschenantenne, im Funkerjargon Whip genannt, am Heck zu realisieren.  Als Trägermaterial eignet sich eine Angelrute oder stabiler ein Portabelmast aus GFK, den es im AFU-Bedarf von mehreren Anbietern gibt. Die eigentliche Antenne, ein paar Meter Draht, zieht man einfach da rein.

Unauffälliger, als eine vergleichsweise riesige Whip am Heck, ist es, das Achterstag als Antenne zu nutzen. Das erfordert leider zwei Isolatoren, die für die nicht unerhebliche mechanische Belastung ausgelegt sind. Je nach Rigg kosten die leicht mehrere hundert Euro.