Asinara

Die im Nordwesten Sardinien vorgelagerte Insel Asinara war lange Zeit für Normalbürger nicht zugänglich. Inzwischen ist es aber auch für Individualreisende sogar mit dem eigenen Boot wieder möglich. Ein Erfahrungsbericht vom Mai 2011.

Nachweislich leben bereits seit dem Altertum Menschen auf Asinara. 1895 mussten alle Einwohner die Insel verlassen und nach Stintino übersiedeln. Der italienische Staat hatte die abgelegene, gut zu bewachende Insel ausgesucht, um ein Strafgefangenenlager einzurichten. Daraus wurde später ein Zuchthaus, in dem Schwerkriminelle z. B. der Mafia eingekerkert wurden. Für die normale Bevölkerung waren das Betreten der Insel und das Befahren der Gewässer in der Umgebung streng verboten. In dieser Abgeschiedenheit konnte sich auf der Insel eine intakte Flora und Fauna erhalten. Als man das Gefängnis 1997 auflöste, wurde die Insel und ihre Umgebung deshalb zum Nationalpark, dem streng geschützten „Parco Nazionale dell' Asinara“, erklärt. Möglicherweise erklärt sich aus dieser Geschichte auch der Mythos der Insel, der etwas „Verbotenes“ anhaftet.

Die „unberührte Natur“ umfasst den weitaus größten Teil aber keineswegs die gesamte Insel. Die ehemaligen Gebäude verfallen zum großen Teil, andere wurden renoviert, dienen der Nationalparkverwaltung oder wurden zu Informationszentren für Besucher umgebaut. Auf der Straße, welche die einzelnen Orte miteinander verbindet, verkehrt ein Bus. Langsam aber sicher werden diese Plätze für den Tagestourismus ausgebaut. Von Stintino und Porto Torres verkehren regelmäßig Touristenschiffe. Auskünfte über deren Fahrzeiten gibt es in den Touristeninformationen. Auf der Insel geben Schilder unmissverständlich über Ge- und Verbote Auskunft. Vieles davon, beispielsweise kein Feuer machen zu dürfen, ist selbstverständlich. Andere, wie keine Hunde an Land bringen zu dürfen, erschließt sich einem nicht ohne weiteres. Streunende Katzen, wie sie uns mehrfach auffielen, scheint man dagegen nicht als Problem anzusehen. Für uns Segler gibt es durchaus die Möglichkeit auf eigenem Kiel anzureisen und auch über Nacht zu bleiben. Eine Marina gibt es selbstverständlich nicht und auch Ankern ist nirgends erlaubt. Festmachen darf man ausschließlich an dafür vorgesehenen Bojen in Fornelli (8 Bojen), Cala Reale (34), Punta Trabuccato (8), Cala del Bianco (8) und Cala d'Olivia (5). Alle Bojenfelder werden von der Cormorano Marina in Porto Torres betrieben. Bei Fragen in den Häfen der Umgebung bekommt man häufig die Antwort, man müsse sich, bevor man eine der Bojen belegt, zwingend dort telefonisch melden. Zu unserer Reisezeit Anfang Mai gelang uns das nicht, weshalb wir vorher Porto Torres anliefen. Dort wurde uns dann einiges klarer. Sowohl über Funk (CH 74) als auch telefonisch (+39079512290) läuft man in dem in einem Container untergebrachten Marinabüro auf, welches zumindest jetzt im Mai nur zeitweise besetzt ist. Dies erklärt warum wir keine Verbindung bekamen. Vor Ort auf Asinara ist außerhalb der Hauptreisezeit im Juli und August wohl niemand. Vermutlich hätte man uns auch telefonisch die Auskunft gegeben, dass vorher Porto Torres anzulaufen wäre. U. E. dient das vor allem dazu, die nicht unerheblichen Liegegebühren für Asinara zu kassieren. Ein Schild im Marinabüro wies diese ausschließlich für Juli und August aus. Sie betragen in 2011 für Segelboote im Juli 2,50 €/m und im August 3 €/m. Für Motorboote ist der Preis immer 4 €/m. Selbstverständlich wollte man von uns auch jetzt Anfang Mai den Julipreis, während andere Häfen üblicherweise nur ca. 1/3 des Hochsaisonpreises kosten. Angesichts der Tatsache, dass vor Ort auf Asinara außer der Boje nichts vorhanden und um diese Jahreszeit auch die touristische Infrastruktur mangels Besuchern weitgehend geschlossen ist, liegt der Übersichtliche Informationstafeln vor Ort klären unmissverständlich über Ge- und Verbote auf. Der Gedanke an Nepp liegt nahe. Dies passt auch zu den Erfahrungen, die wir früher schon mit der Cormorano Marina (teuer, schmutzig, keinerlei Sanitäranlagen) gemacht haben.

Bei einem Besuch von Asinara in einer so wenig frequentierten Jahreszeit kann man es m.E. riskieren, wie auch im Nordosten Sardiniens gelegenen Maddalenaarchipel üblich, ohne vorherige Reservierung eines der Bojenfelder anzulaufen. Sollte wider alle Erwartungen doch nichts frei sein, kann man immer noch nach Süden ablaufen. Direkt an der Fornelli- Passage findet man knapp außerhalb des Naturschutzgebietes östlich der Isola Piana über ebenfalls glasklaren Wasser einen Ankerplatz. Von dort ist es auch nach Stintino nicht mehr weit, dessen Hafen bei schlechtem Wetter Schutz bietet. Entgegen immer wieder gehörten anders lautenden Gerüchten gibt es zumindest derzeit keine Einschränkungen Asinara unter Motor bzw. mit Motorbooten anzulaufen. Auch beim Dinghi darf man selbstverständlich den Motor benutzen. Man soll nach Auskunft in Porto Torres lediglich nicht zu schnell fahren (Gleitfahrt ist verboten!) und unnötige Fahrten vermeiden. Was bleibt nach diesen Erfahrungen vom Mythos Asinara? Ohne Frage, Asinara ist wirklich schön. Kristallklares Wasser mit um das Boot spielenden Fischschwärmen und wilde Macchia gibt es aber auch anderswo auf Sardinien. Als Alleinstellungsmerkmal bleiben die weißen Esel, die eine durch jahrhundertelange Inzucht herausgebildete Albinoform des normalerweise grauen sardischen Esels sind. Ob sie allein Motivation genug sind Asinara anzulaufen, muss jeder für sich selbst entscheiden.