Kommunikation auf Langfahrt

Wie kommunizieren Langfahrtsegler von unterwegs? Gleich mehrfach kam bei Kontakten in den letzten Wochen das Gespräch auf dieses Thema. Einige Gesprächspartner erinnerten sich sogar noch an meinen Artikel, den ich Ende 2008 für Bluewater den Vorläufer der heutigen TO-Webseite geschrieben hatte. Nach meinem subjektiven Eindruck hat sich bis heute an der damaligen Situation nichts Grundlegendes geändert und wird es vermutlich in den nächsten Jahren auch noch nicht tun.

Da der Beitrag im Netz nicht mehr verfügbar ist, habe ich in meinem Archiv gekramt und das Manuskript tatsächlich auf Anhieb gefunden. Heute würde ich einen solchen Bericht mit passenden Bildern illustrieren. Bei der ursprünglichen Veröffentlichung gab es aber keine und so gibt es heute auch keine.


Hier ist der Originaltext vom Dezember 2008:

Als Nachrichtentechniker und Segler interessiert mich das Thema Funk auf Yachten immer sehr. Die Technik ist in stetigem Wandel und was gestern noch  topp modern war kann heute schon völlig überholt sein. Mit diesem Bericht versuche ich den aktuellen Stand von heute Ende 2008 darzustellen. Dazu habe ich unzählige Webseiten von Langzeitseglern gesichtet, gut 120 Kontakte, die ich über meine Webseite bekommen habe, ausgewertet und eine Umfrage im TO-Forum gestartet, die weitere 12 Meldungen brachte.

Bei der Auswertung der Informationen habe ich mich auf Yachten konzentriert, die auf Langfahrt waren oder gerade dafür ausgerüstet wurden. Wochenend- und Urlaubssegler habe ich wegen völlig anderer Anforderungen nicht berücksichtigt. Mein Fokus lag auf kleinen und mittleren Booten mit einer Crew von 2-4 Personen. Des Weiteren bin ich davon ausgegangen, dass ein VHF-Marinefunkgerät sowie ein normales Handy immer vorhanden ist. Von daher interessierte mich nur die Ausrüstung die darüber hinaus ging.

Es ist klar, dass die gewählten Geräte stark vom Fahrtgebiet abhängig sind. Wer nur in der Ostsee oder dem Mittelmeer unterwegs ist, hat sicher andere Anforderungen als jemand der Ozeane überquert und sich lange in Gegenden mit geringer Bevölkerungsdichte aufhält. Dieser Gruppe gilt meine besondere Aufmerksamkeit.

Kurzwelle
Die kommerzielle Seefahrt setzt seit mehr als 20 Jahren auf Satelliten. Im Gegensatz zu früheren Zeiten spielt Kurzwellenfunk bis auf absolute Ausnahmen keine Rolle mehr. Anders ist das bei Yachten. Ich habe keine gefunden, die nicht mindestens einen Kurzwellenempfänger an Bord gehabt hätte und sei es nur um hin und wieder mal die aktuellen Nachrichten aus der Heimat zu hören. Die weitaus meisten Yachten haben denn auch gleich einen SSB-Transceiver, mit dem auch gesendet werden kann, an Bord. Diese Kurzwellennutzer kann man in zwei etwa gleich große Gruppen teilen. Die einen nutzen KW-Seefunk, die anderen Amateurfunk. Der Schwerpunkt der Anwendungen liegt auf der Übertragung  von Emails für private Kontakte und der Beschaffung von Wetterberichten und Gribfiles. Die Nutzung des Funkgerätes für verabredete Kontakte zu anderen Seglern und Klönrunden sind ebenfalls häufig, spielen aber gegenüber Datenanwendungen eine untergeordnete Rolle. Bedingt durch die auf KW mögliche geringe Bandbreite ist es immer notwendig die Daten auf das notwendige Mindestmaß zu reduzieren und Bilder z.B. nur stark komprimiert zu übertragen. Als Mailclient an Bord ist Airmail Standard. Als Provider werden fast ausschließlich Winlink (Amateurfunk) bzw. Sailmail (Seefunk) genutzt. Darüber hinaus gibt es noch ein paar andere Systeme, die aber als Exoten gelten können und in der Praxis nur eine unbedeutende Rolle spielen.

Die Geräte unterscheiden sich für See- und Amateurfunk nur wenig. Für Seefunk auf deutschen Schiffen betriebene Geräte müssen von der Bundesnetzagentur in Hamburg zugelassen sein und zum Betrieb ist ein entsprechendes Funkzeugnis (LRC) notwendig. Nicht wenige Segler setzen sich, obwohl dies eindeutig illegal ist, einfach über diese Bestimmungen hinweg. Amateurfunkgeräte sind deutlich preiswerter, haben keine Unterhaltskosten und brauchen auch keine Zulassung, setzen aber eine „Zulassung zur Teilnahme am Amateurfunkdienst“ voraus, die wesentlich mehr technische Kenntnisse als ein LRC erfordert. Das für die Datenübertragung mittels PACTOR benutzte Modem ist unabhängig davon immer gleich. Ich habe niemanden kennengelernt, der nicht eines aus dem Angebot der Firma SCS nutzt. Die Geräte unterscheiden sich nur in den Anschlussmöglichkeiten und im Bedienkomfort.

Es darf nicht verschwiegen werden, dass erfolgreicher KW-Funk eine gewisse Beschäftigung mit der Technik erfordert. Wer sich nicht auskennt, kann viele Fehler bei der Installation und auch im Betrieb machen. Von dort her ist es auf jeden Fall anzuraten wenigstens die Installation durch einen Fachmann vornehmen zu lassen, wenn man sich nicht vorzugsweise selbst eingehend damit beschäftigen will. Die Bedienung der Seefunk-Transceiver ist durchweg einfacher als deren für Amateurfunk vorgesehenen Brüder. Da sie weniger Einstellmöglichkeiten haben, kann man auch weniger falsch machen. Gerade wegen dieser Möglichkeiten sind Amateurfunkgeräte vor allem in Grenzsituationen, für denjenigen, der damit umgehen kann, dem KW-Seefunk z. T. deutlich überlegen.  Die überwiegende Zahl der Nutzer ist mit der Leistungsfähigkeit von KW-Funk zufrieden. Wenn nicht, liegt dies nach meiner Beobachtung ausschließlich daran, dass man die Geräte nicht sachgemäß zu nutzen weiß oder falsche Vorstellungen von den Möglichkeiten der Technik hat.

Satellitenfunk
Wer lieber telefoniert als Mails schreibt benutzt vorzugsweise eine Satellitenhandy. Es gibt verschiedene Systeme, die teilweise nur lokale Bedeutung haben. Eine weltweite Abdeckung bietet Iridium und mit Einschränkungen Globalstar. Wer mit dem Mittelmeer und dem nördlichen Indischen Ozean zufrieden ist, hat in Thuraya eine Alternative. Alle diese Systeme haben gemeinsam, dass sie sich gut zum Telefonieren eigenen. Durch die extreme Schmalbandigkeit der Übertragungskanäle eignet sich ein Satellitenhandy für Datenübertragungen eher weniger. Übertragungsraten von 2400 Bits/s erinnern an Geschwindigkeiten vor 20 Jahren, die den Anforderungen des modernen Internets in keiner Weise gerecht werden. Mails sind in etwa mit ähnlichen Einschränkungen wie bei Kurzwelle möglich, ohne dass es spezielle Provider wie Sailmail gibt. Man muss sich also um eine vernünftige Beschränkung  (kein HTML und Vermeidung von langen Anhängen) selber kümmern. So ganz ohne Fachkenntnisse  geht es also auch da nicht. Wetterberichte kann man sich theoretisch aus dem Internet ziehen. In der Praxis dauert das lange und ist, weil bspw. bei Iridium nach Zeit abgerechnet wird, relativ teurer. 1 MByte entspricht etwa einer Mail mit einem(!) unkomprimierten Foto im Anhang dauert eine knappe Stunde und kostet etwa 50 Euro. Beim nur lokal verfügbaren Thuraya geht es, wenn man den Datendienst gebucht hat, etwas schneller und ist mit gut 5 USD auch deutlich billiger. Von preisgünstig kann man aber immer noch nicht wirklich reden. So habe ich denn auch niemand gefunden, der Iridium bis auf Ausnahmefälle, wenn die Kurzwelle mal nicht gehen sollte (die Komprimierung wird dann durch Sailmail bzw. Winlink schon übernommen), regelmäßig für Datenübertragungen nutzt. Ein Satellitenhandy zusätzlich zur Kurzwelle nur zum Telefonieren kommt dagegen, besonders wenn man aus welchen Gründen auch immer jederzeit erreichbar sein muss, häufiger vor.

Das Standardsystem für die kommerzielle Seefahrt ist Inmarsat. Durch stationäre Satelliten ist es bis auf die Polkappen weltumspannend und bietet nicht nur Telefonie sondern auch breitbandigen Internetzugriff. Allerdings setzt es eine relativ aufwendige Technik mit nachgeführten Antennen an Bord voraus. Bis auf einen habe ich keinen Segler gefunden, der es benutzt. Dieser eine war sehr günstig an ein Gebrauchtsystem gekommen und vertrat die Ansicht, dass dadurch die relativ hohen Nutzungsentgelte kompensiert werden. Zu einem Breakeven wird es nicht mehr kommen, da er zwischenzeitlich sein Schiff verkauft hat.

WLAN
Vielleicht liegt es ja daran, dass ich die Kontakte per Internet gesucht habe. Alle Boote hatten auch einen PC an Bord. Von daher wird WLAN in Marinas oder Ankerbuchten, in denen es zur Verfügung steht, gern und dann bevorzugt für die Kommunikation benutzt. Internet und Email ist selbstverständlich und nicht wenige nutzen es auch zur kostenlosen IP-Telefonie. Auch in Sachen Kommunikation verwöhnt das süße Leben im Hafen, weshalb man die Einschränkungen auf See wohl umso schmerzlicher empfindet.

Notrufe
Für den Fall des Falles haben so gut wie alle Yachten eine EPIRB an Bord. Dieses satellitengestützte Notrufsystem ist Standard im GMDSS und verfügt über ein eingebautes GPS, so dass die Position innerhalb von wenigen Minuten an eine Rettungsleitstelle übertragen wird, die dann alles weitere veranlassen kann. Darüber hinaus gibt es natürlich auf jedem Schiff ein VHF-Gerät, das ebenfalls über einen DSC-Notruf verfügt. Wegen der begrenzten Reichweite macht dies aber nur in Landnähe wirklich Sinn.

Resümee
Auch mehr als 20 Jahre nach Einführung des Satellitenfunks in der kommerziellen Seefahrt hat sich dieser bei uns Seglern bis auf Ausnahmen noch nicht durchgesetzt. Ursächlich dafür ist wohl die für Breitbandanwendungen aufwendige Technik und relativ hohe Betriebskosten. Dies dürfte sich m. E. relativ schnell ändern, wenn moderne auch für kleine Yachten geeignete Technik bei moderaten Anschaffungs- und Betriebskosten zur Verfügung steht. Wann das sein wird ist derzeit noch nicht abzusehen, da eine Bandbreitensteigerung ohne automatisch nachgeführte, stark fokussierende Antennensysteme bei der derzeitigen Satellitengeneration noch nicht möglich ist. Am ehesten wird eine moderate Vergrößerung der Bandbreite noch in relativ überschaubaren Gebieten wie dem Mittelmeer möglich sein aber auch da werden die von zu Hause gewohnten  DSL-Geschwindigkeiten zumindest in nächster Zeit bei weitem nicht erreicht werden. Die Ozeane der Welt gehören zu den „extrem dünn besiedelten Gebieten“, die potentielle Kundschaft hält sich also in Grenzen. Insofern darf auch bezweifelt werden ob die geringe Zahl der Satellitenbetreiber ein wirkliches Interesse daran hat breitbandige Kommunikation zu niedrigen Preisen anzubieten.  

Es liegt in der Natur der Sache, dass hier nur ein kurzer Überblick gegeben werden kann ohne ausführlich auf die Technik einzugehen. Weitere Informationen gibt es auf meiner Webseite und gern auch auf Anfrage an die Kontaktadresse.